Reliquienreisen

... alle Christen tragen für die Ausbreitung des christlichen Glaubens eine Mitverantwortung, jeder an seinem Ort und auf seine Weise. Therese hatte schon vor über 100 Jahren ein weltweites Herz und war damit echt katholisch, allumfassend. Sie wollte selbst in die Mission nach Hanoi in Vietnam gehen, wurde aber durch ihre Krankheit daran gehindert. Mit zwei jungen Missionaren pflegte sie eine innige Gebetsverbundenheit und hatte mit ihnen einen regen Briefverkehr.

In Bezug auf die Mission ging es ihr nicht in erster Linie um die Rettung der Seelen, sondern darum, dass die Liebe Gottes überall bekannt würde. Wenn nämlich Gott aus Liebe zu den Menschen selbst ein Mensch geworden ist und sein Leben für sie hingegeben hat, müssen wir diese Botschaft weitersagen. Ein liebender Gott ist für viele noch heidnische Menschen eine Befreiung und eine frohe Botschaft; zu viele leben noch in der Angst vor bösen Geistern und wissen nichts von einem gütigen Vater im Himmel. Sie wissen noch nichts von ihrer Berufung, Kinder dieses Gottes zu werden und am Leben des dreifaltigen Gottes teilzuhaben.

Dann geht es Therese auch darum, dass Gott von möglichst vielen Menschen geliebt wird; denn Gott ist Liebe und wartet auf unsere Gegenliebe. So sagt sie kurz vor ihrem Tode: "Ich fühle, dass meine Sendung beginnt, Gott so lieben zu lehren, wie ich ihn geliebt habe, und den Menschen meinen Kleinen Weg zu geben, den Weg der Kindheit, der Liebe und des Vertrauens." ( ... )

Wegen ihrer missionarischen Einstellung hat Papst Pius XI. Therese im Jahre 1927 zur Patronin aller Missionare ernannt. Missionare aus aller Welt hatten ihn darum gebeten, weil sie ihre Fürbitte und ihre Nähe deutlich spüren durften. ( ... ) Der Papst hat damit angedeutet, dass auch wir durch unser Gebet und Opfer Missionare sein können. Sie, die keinen Schritt aus ihrem Kloster herausgekommen ist, hat durch ihr Gebet und Opfer auf der ganzen Erde gewirkt und auch uns damit ein Beispiel gegeben.

(Aus: Anton Schmid, Therese von Lisieux begegnen, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg, 1999, S. 174 - 176)