Lisieux-Wallfahrt 2014

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Impressionen und Erinnerungen an die Lisieuxwallfahrt 2014 des Theresienwerkes

Rosen, Regen und Rosenregen.


Im Urlaub in Südtirol habe ich bei einem Holzschnitzer ein kleines, rotes Herz mit Rosen gekauft. Therese wollte im Herzen der Kirche die Liebe sein. Und einen Rosenregen, Gnadengeschenke vom Himmel nach ihrem Tod, versprach sie auch. Als neue Reiseleiterin des Theresienwerkes denke ich noch gerne an unseren Besuch bei der heiligen Therese und an die Teilnehmer der Wallfahrt. Besonders vertraut war mir der Vortragssaal in Lisieux, links davon der Garten der Ermitage, unserer Pilgerunterkunft, mit vielen blühenden Rosen. Rechts rauscht der kleine Bach Orbiquet vorbei. Durch die Fenster sehe ich die hohe Mauer des Karmel, wo Therese neun Jahre ihres Lebens verbrachte. Nur diese eine Mauer und der Bach trennt uns von dem Klostergarten. Diese räumliche Nähe macht das Besondere aus! Die Karmelkirche, wo Thereses sterbliche Überreste ruhen, ist nur ein paar Schritte entfernt.

Es ist still im Vortragssaal. Klar, es sind ja Schweigeexerzitien. Manchmal hört man leise, aufgeregt gemurmelte Wortfetzen, wenn jemandem das Herz vor Freude über- schäumt und er es den anderen mitteilen muss ... Das Thema der diesjährigen Exerzitien lautet: „Das Evangelium leben mit der heiligen Therese“. Monsignore Schmid hält wunderschöne Vorträge, und wir spüren alle, dass er lebt, worüber er spricht. In den einzelnen Vorträgen hören wir über tiefe spirituelle Themen, die unser Herz und unsere Seele nähren: Therese – die Heilige des Vertrauens, die Eucharistie als Hingabe an Gott, Gotteswort und Nächstenliebe bei Therese von Lisieux, der Kleine Weg der Heiligkeit nach ihrem Vorbild, Beten nach ihrem Beispiel und Gottes erbarmende Liebe zu den Menschen. Die Vorträge von Pfarrer Schmid sind einfach und herzerfrischend. Therese ist für ihn, was sie selbst versprochen hatte, seine Schwester und Freundin geworden. Das ist sie für uns alle geworden.

Am Büchertisch sind viele Bücher von und über die heilige Therese, ihre Briefe, die Korrespondenz ihrer Eltern, wunderschöne, von Karmelitinnen von Hand verzierte Kerzen, Medaillen, Fotos, Kinderbücher, Puzzles usw. Da darf man das Schweigen unterbrechen, wenn man Beratung oder Empfehlung von Pastoralreferentin Maria Ottl oder mir braucht. Dieses Jahr war unsere Wallfahrt besonders schön, weil eini- ge Extras, zusätzliche Highlights, dabei waren. Monsignore Anton Schmid feierte in diesem Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Exerzitienleiter in Lisieux und als Vorsitzender des Theresienwerks. Seit 1990 gibt er jedes Jahr im August fünftägige Schweigeexerzitien, die mit einer Wallfahrt zu den theresianischen Orten verbunden sind.

Unsere älteste Teilnehmerin, die 100-jährige Toni Pickel, war von Anfang an dabei. Noch vor einigen Jahren half sie bei der Verköstigung der Pilger im Bus mit Wiener und Kaffee. Und zwei Immakulata–Schwestern, Schwester Andrea und Schwester Ursula, durfte ich in Lisieux zu ihrem goldenen Ordensjubiläum gratulieren. Im Speisesaal war die Überraschung groß, als ich den vier Jubilaren symbolisch jeweils eine Rose überreicht habe. Die Küchenschwestern haben eine kleine musikalische Überraschung dargeboten. Die vier bekamen eine Extraportion Eis mit winzigen Kerzen ... Tränen der Rührung flossen. Man gratuliert schließlich nicht jedes Jahr hundertjährigen Pilgern ... Und silbernes bzw. goldenes Jubiläum in Lisieux zu feiern, ist ebenfalls eine besondere Gnade.

Nach der Messe mit den Karmelitinnen am Samstag übergab die jüngste Teilnehmerin (Teresa) eine von ihr geschriebene Ikone. Da sie am Ambo sprach und ich als Dolmetscherin daneben stand, konnte ich einen Blick in die Schwesternkapelle werfen, die schon im Klausurbereich liegt und öffentlich nicht zugänglich ist. Mit einem goldenen Kreuz ist der Chorstuhl gekennzeichnet, wo Therese zu Lebzeiten betete. Noch nie sah ich diese Stelle so nah!

Thereses Zelle kann man nicht besichtigen, der Karmel ist ein beschaulicher, kontemplativer Orden. Auch wenn die Schwestern heute in einem modernen, angebauten Trakt wohnen, sind die alten Gänge und Zellen Teil der Klausur, der Bereich des Klosters, wo Besucher nicht hineindürfen. Aber im kleinen Museum neben der Kirche zeigt ein Film die ehemalige Zelle Thereses und das Leben der heutigen Karmelitinnen. Auch Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände der heiligen Therese kann man dort betrachten.

Die Karmelitinnen von Lisieux kommen zu den Gottesdiensten in die Kirche und sitzen im Chorraum. Ihre Tracht ist nach dem II. Vatikanum leichter, moderner geworden. Die Karmelitinnen von Alençon aber, die wir am Montag besuchten, leben nach den viel strengeren, ursprünglichen Regeln, so wie es auch zur Thereses Zeit üblich war: doppeltes Gitter im Gesprächzimmer (dahinter aber strahlende, fröhliche Gesichter!), alte Tracht, die nur das Gesicht und die Hände frei lässt. Die Alençoner Karmelitinnen sieht man sonst nicht, man hört nur ihre leisen, glockenreinen Stimmen aus dem Schwesternchor.

Wir waren auch in der Basilika von Alençon, in der die seligen Eltern geheiratet hatten und Therese getauft wurde. Hier haben wir uns an unsere eigene Taufe erinnert und am Taufbecken unser Taufversprechen erneuert. Beim Reliquienschrein haben wir für die Familien gebetet.

Am Donnerstag gestaltete Frau Ottl mit Thereses Worten den Kreuzweg hinter der Basilika. Während des Kreuzweges regnet es, es ist ungemütlich kalt, aber irgendwie passt das dazu. Ein wenig Unannehmlichkeiten sollen wir schon aushalten können ...
Denn sonst ging es uns prächtig, sowohl seelisch als auch körperlich, Heilige Messe jeden Tag, schöne Vorträge, gute, wenn auch schweigende Gemeinschaft, Tischlein- deck-dich mehrmals am Tag. Am Freitag, dem Hochfest Maria Himmelfahrt, nach dem Regen am Vortag, genießen wir blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Als würde der liebe Gott auch damit auf unsere Stimmung, auf unser Empfinden einwirken. Am Vormittag eine beeindruckende „Grande Messe“. Hochamt in der Basilika. Der neue Rektor und Wallfahrtsdirektor, Père Olivier Ruffray, begrüßt sehr herzlich unsere Gruppe und gratuliert zum 25-jährigen Jubiläum vom Pfarrer Schmid als Exerzitienleiter in Lisieux, und die Gläubigen in der vollbesetzten Kirche klatschen begeistert Beifall.

Am Nachmittag nehmen wir an der Marienprozession von dem Wohnhaus Thereses bis hinauf zur Basilika teil. Peter Gräsler, der mehr als 20 Jahre die Reiseleitung innehatte, hat nun die Ehre, ein Gesätz vom Rosenkranz auf Deutsch vorzubeten. Ich gehe neben ihm, wir sind direkt vor dem Wagen mit einer Nachbildung der Statue der Muttergottes vom Lächeln, eben jene Statue, die Therese lächelnd angeschaut und sie von ihrer Krankheit geheilt hatte. Die Basilika mit ihren prächtigen Mosaiken, die man zur Ehre der heiligen Therese gebaut hat, ist beeindruckend. In der Krypta ruhen nun auch ihre seligen Eltern. In diesem Jahr sind unsere Gottesdienste musikalisch kunstvoll umrahmt. Gudrun, eine Geigenlehrerin, spielt dem Herrn klassische Meisterstücke; Jutta, eine Kantorin, singt Gott und zu unserer Freude mittelalterliche Lieder von Hildegard von Bingen. Nach so viel geistiger Nahrung freuen wir uns auch auf das gute Essen. Rotwein steht mittags und abends immer auf dem Tisch, am Feiertag Cidre, ein französischer Apfelmost. Zweimal genießen wir unterwegs die wunderbaren Häppchen und Plätzchen, in stundenlanger Kleinarbeit von Georgine, alias Alwine, der Frau unseres Busfahrers, geschnippelt, gestrichen und gebacken.

George, der Chauffeur, kennt die Strecke Augsburg-Lisieux wie seine Westentasche und bringt uns Jahr für Jahr sicher ans Ziel und wieder nach Hause. Beim fröhlichen Abschlussabend gab es beschwingtes Geigenspiel von Gudrun, lustiges Mitmach-Lied von Jutta und einen Beitrag von Peter Gräsler, der auf humorvolle Weise die gute Arbeit des Vorbereitungsteams würdigte, und zum Ausklang einen meditativen Tanz von Gertraud. Dazwischen lustige Quizfragen der Reiseleiterin und ebenfalls von ihr ein fiktives Interview von „Radio Lisieux“. Spätabends, nach dem Einbruch der Dunkelheit, konnten wir vom Garten der Ermitage, unserer Pilgerunterkunft, die riesige, blau beleuchtete Kuppel der Basilika sehen. Hoch ist der Himmel über der Normandie, die Sterne blicken von weit oben auf uns herab. Am Sternenhimmel entdeckte die kleine Therese ihren Anfangsbuchstaben. Eine Französin spricht uns im Garten an. Wir unterhalten uns ein wenig leise. „Ste. Thérèse comprend aussi l`allemand ... (Die heilige Therese versteht auch Deutsch.) „Elle comprend toutes les langues. Elle est formidable!“ (Sie versteht alle Sprachen, sie ist großartig.)
Ja, das bist du, THERESE. Du bist einfach WUNDERBAR!

Esther Leimdörfer

Lisieux-Wallfahrt mit indischen Schwestern und Franziskanerbrüdern

Meine Berufung ist die Liebe